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Wie gedruckte Magazine in Zukunft erfolgreich sein können [Kolumne]


Viele Print-Produkte habe seit Jahren mit einem Rückgang der verkauften Auflage zu kämpfen. Vor allem die IT-Presse leidet unter dieser Entwicklung. Nicht erst seit IDG in den USA die PCWorld auf Digital-Only umgestellt hat, klingeln bei vielen Verlagshäusern die Alarmglocken. Auch hierzulande werden Magazin-Titel zu Grabe getragen und Redaktionen eingestampft.

Oft heißt es in diesem Zusammenhang, die Tage gedruckter Magazine seien ohnehin gezählt und die Zukunft liege im Digitalen. Nicht nur, weil man sich so Vertriebs- und Druckkosten sparen könne, sondern eben auch, weil die digitale Lektüre nur Vorzüge habe: mit einem Klick die neue Ausgabe in den Händen halten, digitale Anreicherungen in Form von Sound, Animationen, Videos, Bildergalerien – günstigere Verkaufspreise.

Mit Verlaub: Das ist Quatsch. Print lebt und wird auch in Zukunft ein Medium sein, das mit journalistischen Inhalten bedruckt wird. Die Branche verändert sich aufgrund des Webs stark, klar. Traditionsreiche Publikationen und Verlage geraten ins Wanken, müssen sich neu aufstellen. Aber deshalb die Print-Branche für tot zu erklären, ist Unsinn.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich dabei vor allem auf Zeitschriften und Magazine. Die Diskussion um die Zukunft der Tageszeitung und ihre gedruckte Version gilt es, gesondert zu führen – weil noch mal andere Aspekte wie beispielsweise Tagesaktualität eine Rolle spielen.

Onliner machen auf Print

Eine Tendenz, die sich in den vergangenen Monaten und Jahren beobachten lässt: Große Online-Medien bringen Magazine heraus, oft in digitaler Form: So macht das beispielsweise das US-amerikansiche Tech-Blog The Next Web, das eine regelmäßige Publikation in digitaler Form erstellt. In Deutschland ist 4Players – eine der größten Websites für Videospiele – ein Paradebeispiel für diese Entwicklung: Jede Woche erscheint das 4Players-Magazin, das Inhalte von der Website magazingerecht aufbereitet.

Elektrospieler

Die Videospiel-Zeitschrift Elektrospieler hat vor zwei Jahren das erste gedruckte Magazin herausgebracht – mittlerweile ist die 15. Ausgabe erschienen.

Das Videospiel-Magazin Elektrospieler, das ursprünglich als PDF-Magazin erschien, hat vor zwei Jahren sogar den Sprung in die Print-Welt gewagt. Das Print-Magazin wirkt in seiner Hochglanz-Optik äußerst edel und ästhetisch sehr ansprechend. Es unterscheidet sich grundlegend von anderen Print-Magazinen aus der Gaming-Branche: Anstatt seitenweise Reviews zu Games mit hochkomplexer Wertungsmatrix abzuliefern, schweigt das Elektrospieler-Magazin zu Prozentwertungen, Spielspaßkurven und mathematisch exakten Langzeitspaß-Analysen. Stattdessen rücken die Magazin-Macher die Aspekte von Games in den Vordergrund, die besonders magazintauglich sind: Große, schöne Bildaufmacher, ansprechende Bildstrecken, lesenswerte Storys.

Die Nische ist erfolgreich

Es ergibt auch wenig Sinn, einfach ein weiteres Konkurrenzprodukt im Gaming-Print-Journalismus auf den Markt zu bringen – die aktuellen Hefte haben ohnehin mit einem enormen Auflagenschwund zu kämpfen. Wissenswertes über Games holen sich Gamer aus dem Netz – Bewegtbilder, Screenhots, aber auch fundierte Spielebesprechungen finden sich auf entsprechenden Online-Medien meist viel früher als in den gedruckten Magazinen.

Wer heute Print macht, muss sich deshalb genau darüber im Klaren sein, was er an Inhalten bringt und welche Form diese Inhalte haben. Ein Paradebeispiel für ein Magazin, das die Vorzüge von Print-Produkten quasi in Reinform vereint, ist das Indie-Magazin Offscreen.

Offscreen: Die Menschen hinter den Pixeln

Offscreen ist ein Magazin von Kai Brach, einem ehemaliger Webdesigner. Heute widmet er sich ausschließlich der Produktion seines Magazins. Das Heft ist ein Vorzeigeprojekt in Sachen Print-Produkt der Zukunft: Konsequent auf Offline-Lektüre ausgelegt, trumpft es mit einem sehr ansprechendem Magazin-Layout auf, das in seiner puristischen Art fast schon an ein Buch erinnert. Typografie, Bilder, die Aufteilung von Texten und Fotos, Magazinformat, Magazinumfang, Papier – alles fügt sich wie aus einem Guss zusammen und wirkt extrem hochwertig. Um diesen Gesamteindruck nicht zu verfälschen, lässt der Herausgeber keine normalen Anzeigen zu, sondern nur Sponsoren. Sie werden in der Heftmitte in einem schlichten, einheitlichen Look erwähnt.

Und nicht nur die Aufmachung, auch der Inhalt weiß zu überzeugen: Bei Offscreen stehen die Menschen hinter den Pixeln im Mittelpunkt: Interviews, in denen hauptsächlich erfolgreiche Webdesigner aus der ganzen Welt zur Sprache kommen, nehmen den größten Teil des Magazins ein. Essays, Bildergalerien von Startups und kleinere Formate wie Tagesabläufe bekannterer Leute oder Eventbeschreibungen runden den inhaltlichen Part ab.

Offscreen ist ein Print-Magazin, dass erfolgreiche Webdesigner und Pixrlschubser vorstellt.

Offscreen ist ein Print-Magazin, das erfolgreiche Webdesigner und Pixelschubser vorstellt.

Klar ist: Offscreen, Elektrospieler oder auch das Froh!-Magazin aus Köln, das sogar komplett ohne Werbung auskommt, sind Nischen-Produkte. Hinter diesen Magazinen stehen keine großen wirtschaftlichen Erfolge. Weil sie aber außerhalb eines klassischen Verlagskontexts agieren, sind sie frei von verlegerischen Zwängen und stehen nicht unter starkem Zahlendruck wie ein klassischer Verlagstitel. Genau deshalb können Magazin-Macher aber sehr viel von diesen Nischen-Produkten lernen. Sie haben ganz andere Freiheiten und loten quasi als eine Art avantgardistische Speerspitze die Zukunft gedruckter Magazine aus. Sie verdichten die Vorzüge von Print quasi in Reinform.

Die Vorzüge von Print

Was also sind die besonderen Vorzüge, die gedruckte Magazine im Besonderen auszeichnen (was zum Teil natürlich auch für Tageszeitungen gilt)?

– Abgeschlossenheit: Ein Print-Magazin ist ein abgeschlossenes Produkt. Es funktioniert in dieser Hinsicht wie ein Buch, das zum Stöbern einlädt. Es ist endlich – was im Vergleich zum Internet durchaus seine Vorteile hat. Das Netz ist nämlich eine Informationsquelle, die keinen Anfang und kein Ende kennt. Print-Produkte hingegen haben eine klare Aufteilung, weisen Inhalten Prioritäten zu. Das passiert zwar auch Online, aber durch die Endlichkeit von gedruckten Titeln wirkt ihre Prioritätslogik stimmiger.

– Layout: Print-Magazine bieten enorme Möglichkeiten, durch verschiedene Layouts Inhalten zum Teil unterschwellig Nuancen mitzugeben und mit bestimmten Assoziationen zu verknüpfen. Farben, Grafiken, Bilder, Typografie, Layouts – all das funktioniert auf gedrucktem Papier besser als digital.

– Geisteshaltung: Der vielleicht wichtigste Vorzug eines Print-Produkts ist die Geisteshaltung, die man bei der Lektüre einnimmt. Gedruckte Zeitungen, Magazine und auch Bücher haben den großen Vorteil, dass ihre Lektüre zwingend offline geschieht. Denn beispielsweise auf Tablets gibt es so viele Ablenkungen, die oft von der eigentlichen Lektüre abhalten. Aber mehr noch: Printprodukte fördern eine innere Haltung, die etwas mit Zurücklehnung, Entspannung und Distanz zu tun hat.

Während wir uns online durchs Netz wühlen und ständig das Gefühl haben, dass bessere und relevantere Inhalte nur einen Klick entfernt sind, ist bei Print quasi das Gegenteil der Fall: Bei Print-Produkten vertrauen wir es dem Titel und dem Team dahinter an, relevante Inhalte zusammenzutragen – viel stärker, als wir das Online tun. Wir lassen uns durch diese innere Geisteshaltung mehr auf die Inhalte ein, schaffen uns dadurch einen größeren Abstand zu ihnen – was es deutlich vereinfacht, Themen und Artikel stärker zu reflektieren und einzuordnen.

Klare Positionierung, hochwertiges Layout, mutige Inhalte

Magazine und Zeitschriften, die auch in Zukunft erfolgreich sein wollen, müssen sich also vor allem anschauen, was in der Nische passiert. Folgende Punkte leiten sich daraus ab:

– Klare Positionierung: Magazine brauchen mehr denn je eine klare inhaltliche Ausrichtung. Mit einem zehn Jahre alten Konzept einfach so weiter machen, mag zwar aufgrund einer hohen Basisauflage die nächsten Jahre vielleicht noch ausreichen – zukunftstauglich aber ist das nicht.

– Hochwertige Aufmachung: Magazine und Zeitschriften nimmt man in die Hand. Das Erlebnis, das dabei entsteht, muss möglichst stimmig sein. Layout, Papier, Cover – jedes Detail muss sich zu einem hochwertigen Gesamtbild zusammenfügen.

– Mutige Inhalte: Kommentare, Analysen, Essays, Hintergrundberichte, Satire, Reportagen – Die Inhalte sind die Essenz eines jeden Magazins. Hier gilt es, Mut zu beweisen und Themen mal anders darzustellen – wie Constantin Seibt es schon ausführlich beschrieben hat. Nachrichten und tagesaktuelle News haben nichts in solchen Magazinen verloren.

Vor allem der letzte Punkt lässt sich nur mit einer qualifizierten Redaktion umsetzen. Etwas, das beispielsweise Weka mit der Einstampfung der Redaktionen der Titel PCgo, PC Magazin, Internet Magazin und Business&IT nicht gerade anvisiert. Wenn die übrig gebliebenen Redakteure die Rolle von Produktmanagern übernehmen sollen und die Inhalte über externe Dienstleister bezogen werden, dann stellt sich die Frage: Qualität adé?

Das t3n Magazin: Wir setzten auch in Zukunft auf die gedruckte Version unseres Magazins.

Das t3n-Magazin: Wir setzten auch in Zukunft auf die gedruckte Version unseres Magazins.

Print – mit Zukunft

Wir beim t3n-Magazin glauben fest an die Zukunft gedruckter Magazine – und deshalb stehen wir voll und ganz hinter der gedruckten Version von t3n. Das mag verwunderlich klingen, weil unser täglich Brot das Digitale ist und der Abschied vom toten Holz uns deshalb vermeintlich besonders einfach fallen würde. Ist aber nicht so – ganz im Gegenteil: Wir halten gedruckte Magazine für ein Format, das neben digitalen Magazinen, digitalen Ausgaben von Print-Magazinen und neben der gesamten Online-Journalie eine Existenzberechtigung hat – auch in Zukunft. Und die Zahlen geben uns Recht: Seit Bestehen des t3n-Magazins konnten wir unsere Auflagenzahl kontinuierlich steigern – und das trotz des allgemeinen Auflagenrückgangs in der gesamten Print-Branche.

Weiterführende Links zum Thema „Zukunft der Print-Branche“:

Sources


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Author: Keith Hughes

Last Updated: 1702469642

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